Heute ist der 23.11.2017

Kamerun - Die zweite Fortsetzung

Von Amelie

Endlich folgt die Fortsetzung von meinem Kamerun-„Abenteuer“. Als erstes: Meinen Koffer habe ich zu meiner großen Erleichterung eine Woche später wieder bekommen. Direkt am Flughafen konnte ich noch meinen Vorgänger, dessen Job ich sozusagen übernommen habe, kennen lernen. Er ist an demselben Abend, nachdem er ein Jahr in Kamerun verbracht hat, zurück nach Deutschland geflogen. Diese fünf Minuten, die ich mit ihm gesprochen habe, bringen mir viele Sympathiepunkte ein, weil jeder in der Schule nach ihm fragt und wenn ich dann erzählen kann, dass ich ihn „kenne“, freuen sich alle.  ;-)
Unsere Unterkunft in Yaoundé war einfach, aber hatte alles, was man brauchte: fließendes (warmes und kaltes) Wasser, Strom und zeitweise W-Lan, Betten, Moskitonetze vor den Fenstern und gutes Essen. Das erste Mal original kamerunisches Essen, manches ist noch sehr gewöhnungsbedürftig, aber die Avocado und die Ananas hier sind nicht zu überbieten.

 


Ich war überrascht von dem europäischen Sortiment im Supermarkt und fasziniert von den Straßenverkäufern, die einfach alles anbieten: von Toilettenschüsseln über Kuscheltiere, Schuhe, Früchte, alles Mögliche zu essen bis hin zu Särgen und CDs. Und sie tragen fast alles auf dem Kopf (riesige Kartons, Kissen, Eimer, Schuhe, ….) und können immer noch in normalem Tempo laufen. Das finde ich ganz schön bewundernswert.  Das erste Mal Taxifahren war auch ein ganz kleines Abenteuer für uns unerfahrene Europäer: In ein Auto für fünf Personen passen mindestens sieben plus Gepäck, aber es macht Spaß. Auf dem marché artisanal bekamen wir dann das erste Mal so richtig viel Aufmerksamkeit, jeder wollte uns in seinem Verkaufsstand haben. Es war anstrengend, aber nicht so unangenehm, wie ich es mir vorgestellt hatte.


Als wir das muslimische Viertel von Yaoundé besuchten, habe ich das erste Mal die berüchtigten „la blanche“-Rufe gehört.
Samstags haben wir eine Stadtrundfahrt gemacht und konnten Yaoundé von oben sehen. Am Nachmittag hatten wir einen Tanzkurs, mit teils etwas obszönen Bewegungen, etwa so wie ich mir Schwangerschaftsgymnastik vorstelle. Das Highlight des Tages waren aber die Mimosen, die wir auf der Wiese in unserer Unterkunft entdeckten. Pflanzen, die sich bewegen, wenn man sie berührt! =) Außerdem hatten wir noch einen Trommelkurs, in dem ich mal wieder zeigen konnte, dass mein Rhythmusgefühl nicht so übermäßig stark ausgebildet ist, war aber trotzdem lustig.


Am nächsten Tag waren wir in der Deutschen Botschaft und wurden über die brisante politische Lage vor den Wahlen (jetzt nach den Wahlen ist (wie auch schon vorher) klar, dass Paul Biya weitere sieben Jahre Präsident ist) in Kamerun informiert. Nachmittags waren wir auf dem Mokolo, einem der größten Märkte in Yaoundé, auf dem man alles, aber wirklich alles kaufen kann.  Und dieser Markt war wirklich so krass, wie wir immer vorgewarnt wurden! Riesig, laut und voll! Wir sind leider ziemlich durchgerannt und hatten keine Zeit, etwas zu kaufen. Es war ein bisschen  ein gegenseitiges Anstarren: Für uns waren die Markthändler das Exotische und für sie waren wir das Interessante.


Noch in Yaoundé habe ich meinen netten und jungen Tutor Lawrence kennen gelernt. Er wird das ganze Jahr über für mich und meine Probleme (falls ich mal welche haben oder bekommen sollte) da sein.
Die Busfahrt nach Buea, das für etwa ein Jahr meine Heimat sein wird, war viel luxuriöser als ich dachte: in einem großen Reisebus wie in Deutschland, mit durchgehender Musikbeschallung und eigenem Sitzplatz. Die Landschaft war wundervoll. Direkt wenn man aus Yaoundé rausgefahren ist, war der (Sekundär-)Regenwald überall um uns herum.
Mein erster Eindruck von Buea war ziemlich negativ: Regen, Matsch, Wolken, Nebel!
An meinem ersten vollständigen Tag in Buea gab es Pfannkuchen zum Frühstück, worüber ich mich sehr gefreut habe. Dann ging es ab in die Schule: Allen Lehrern vorgestellt werden und selbst höchstens einen Namen behalten und dann aber nicht zum Gesicht zuordnen können. Seltsamerweise halten mich hier alle (klein bis groß) für eine Chinesin (Begründung: mein Haarschnitt und die Augen).   Außerdem habe schon da gelernt, dass eine der wichtigsten Sachen in Kamerun ist, saubere Schuhe zu haben.
In der Schule werde ich nicht als Volunteer von den Kindern empfangen, sondern als eine Mischung aus Spielzeug und Haustier. Streicheln, ziehen, drücken und schubsen gehört da eben dazu (auch meine grünen Adern  auf der Hand waren eine Attraktion). Das spektakulärste an mir sind aber eindeutig meine „unheimlich weichen“ und hellen „white man“- Haare. Da kann ich meine Frisur so oft richten, wie ich will, bald kommt eine neue Kinderhand, um mein Haar zu fühlen. ;-)


Was mir in der Schule als erstes aufgefallen ist (nach der Tatsache, dass die Lehrer die Kinder schlagen), ist, dass sie viel mehr tanzen, singen und klatschen. Um die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse zu wecken, stimmen viele Lehrer (meist in den unteren Klassen) ein Lied an, alle singen mit und machen die entsprechenden Tanzschritte bzw. Gesten dazu. Danach ist die Klasse (im besten Fall) leiser und konzentrierter. Was ich auch schön finde, ist das Ritual des „Clap for her/him!“. Wenn jemand etwas Gutes zum Unterricht beigetragen hat, klatschen alle in einem bestimmten Rhythmus für ihn oder sie. Auffällig ist auch, dass der Unterricht teilweise ziemlich „christlich“ ausgerichtet ist. In Moral Education hat die zweite Klasse zum Beispiel gelernt, dass sie nicht lügen sollen. Die Konsequenz von Lügen ist nämlich: you will burn in hell. Dann folgte noch eine genaue Beschreibung des Höllenfeuers und wie unangenehm das sein kann. Die ersten Tage in der Schule habe ich vor allem (abgesehen vom Spielen mit den Kindern bzw. das Spielen der Kinder mit mir) mit Rumsitzen, Beobachten und Hefte korrigieren (eine Aufgabe, die die meisten Lehrer mit Vergnügen an Freiwillige abgeben) verbracht.


Das war jetzt mal ein erster Eindruck von meiner neuen Heimat und meiner Arbeitswelt.

Amelie

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