Heute ist der 21.11.2017

1 Jahr in Kamerun- warum das denn?

Von Amelie

1 Jahr in Kamerun- warum das denn?

 

Das ist eine gute Frage, die ich in letzter Zeit auch häufiger gehört habe. Mein Name ist Amelie und ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht. Am 7.September werde ich für ein Jahr nach Kamerun fliegen. Schon seit über zwei Jahren war mir klar, dass ich nach dem Abi nach Afrika gehen will. Aber wie genau das funktionieren sollte, wusste ich damals noch nicht. Dann habe ich von dem Programm „weltwärts“ gehört: Junge Erwachsene, die sich ein Jahr in „Entwicklungsländern“ sozial oder ökologisch engagieren wollen, werden finanziell und auch tatkräftig unterstützt. Ich habe mich bei verschiedenen Organisationen beworben, wurde zu Auswahltagungen eingeladen und letztendlich auch angenommen.

 

Wenn mich jemand fragt, warum gerade Afrika, dann weiß ich darauf auch keine rechte Antwort. Der Kontinent, den ich bisher nur von Marokko-Urlauben kenne, fasziniert mich und ich möchte ihn näher -und nicht nur aus der Touristen-Perspektive- kennen lernen. Meine ursprüngliche Motivation dafür, ein Jahr in einem sogenannten Entwicklungsland zu verbringen, war „den Menschen dort helfen“. Das ist zugegebenermaßen ziemlich naiv. Natürlich möchte ich in Kamerun etwas Sinnvolles tun, aber die Vorstellung, dass ich den Leuten dort etwas beibringen könnte, habe ich aufgegeben. Im Moment denke ich eher, dass ich von den Einheimischen unglaublich viel lernen kann.

 

Dass meine Wahl auf Kamerun gefallen ist, war ursprünglich Zufall. Ich konnte mich auf bestimmte Projekte in verschiedenen Ländern bewerben. Das Projekt in Kamerun fand ich einfach total interessant. (Was ich bis jetzt über das Projekt erzählen könnte, ist alles aus zweiter Hand und deshalb werde ich damit noch warten, bis ich dort bin. Ich kann auf jeden Fall verraten, dass ich in einer Schule arbeiten werde.) Und auch jetzt, wo ich mich näher mit Kamerun beschäftigt habe, bereue ich die Wahl in keinster Weise. Das Land hört sich unglaublich spannend an und alle Kameruner, die ich in Deutschland getroffen habe, waren sehr sympathisch. Und auch die ehemaligen Freiwilligen, die in Kamerun waren, erzählen fast nur Gutes. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Jahr eine Erfahrung wird, die mich mein Leben lang begleiten wird.

 

Letzte Woche war ich auf dem Vorbereitungsseminar, auf dem wir über globale Zusammenhänge, Entwicklungspolitik, Privilegien, Vorurteile und Rassismus gesprochen haben. Themen, die mich manchmal ziemlich vor den Kopf gestoßen haben, weil ich erst dann merke, wie viele Vorurteile ich wirklich habe oder wie das eigene (Kauf-)Verhalten sich auf Menschen in anderen Teilen der Welt auswirkt.

 

In weniger als einer Woche kann ich also diese ganzen neuen „Erkenntnisse“ in der Praxis testen. Aber vorher gibt es natürlich noch 1000 Dinge zu erledigen. Einkaufen, als ob es in Kamerun keine Supermärkte gäbe, das ganze Haus absuchen, ob man nicht doch etwas vergessen hat, sparsam packen lernen, Freunde und Familie verabschieden und noch 996 andere Sachen.

 

Die Reaktionen auf meinen Freiwilligendienst sind sehr verschieden: Meine Eltern standen dem ganzen zu Beginn sehr skeptisch gegenüber. Warum so weit weg? Warum nicht in Europa? Du arbeitest da für die und dann für so wenig Geld? Malaria? Überfälle? Diese Skepsis hat sich ein bisschen gelegt. Aber die Sorgen sind natürlich immer noch da und auch nachvollziehbar. In Kamerun ist es eben nicht so wie in Deutschland. Meine große Schwester hingegen hat mich von Anfang an mental und mit all ihren Reiseratschlägen unterstützt. Meine Freunde, von denen viele auch ein Jahr weltwärts (in Südafrika, Argentinien, Bolivien, Ecuador, Bosnien oder Rumänien) gehen, konnten mich natürlich verstehen. Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass ich unglaublich viel lernen kann und das möglicherweise in Deutschland auch weitergeben kann.

 

 

Amelie Klaus

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