Heute ist der 19.09.2017

Kamerun - Die erste Fortsetzung

Von Amelie

Endlich melde ich mich auch mal wieder zu Wort. Ich bin jetzt seit über einem halben Jahr in Kamerun und habe schon so einiges erlebt. Leider kann ich das nicht alles in einem Bericht erzählen, aber ich fange mal an.



Die Sprache(n)
Die Landessprachen sind Französisch und Englisch, somit ist Kamerun das einzige afrikanische Land mit zwei Landessprachen. Der Großteil des Landes ist französischsprachig. Offiziell sollte jeder Kameruner zweisprachig sein, aber ich habe das Gefühl, die meisten Frankophonen sprechen kein Englisch (aber manchmal Pidgin), aber viele Anglophone sind des Französischen mächtig.
Inzwischen komme ich mit dem kamerunischen Englisch ganz gut klar. Ich verstehe auch immer mehr von dem Pidgin-Englisch, das die meisten Kameruner im Alltag sprechen. Man kann sich wirklich viele Sympathien und vor allem Lacher einholen, wenn man seine drei Pidgin-Sätze auspackt. Hier ein paar Kostproben:



How for you?/ Na how?/ How? (Wie geht’s dir?/)
Na weti deh up? (Was geht?)
A deh fine. (Mir geht’s gut.)/ A deh fine fine. (Mir geht’s sehr gut.)
A fit shidom fo here? (Kann ich mich hier hinsetzen?)
A likeam plenty. (Das ist super!)
Waka di go! (Hau’ ab!)
A di go fo house (Ich gehe nach Hause.)



In Schulen und auf dem Campus der Universität in Buea ist Pidgin aber (offiziell) verboten.



Die Arbeit
Die Arbeit in der Schule läuft auch ganz gut. Es kommen und gehen immer wieder einige Freiwillige, die mit mir arbeiten. Die meisten bleiben aber nur ungefähr zwei Monate. So habe ich schon junge Leute aus Italien, Holland, Belgien, England, Schweden, Finnland und den USA kennen gelernt.
Ich unterrichte Sport in den Klassen 1 bis 3, das sind acht Klassen, und Deutsch in den zwei fünften und sechsten Klassen. In Sport ist es wirklich schwer, alle Kinder gleichzeitig zum Schweigen und Stillstehen zu bringen. Manchmal sind es nur sechs Kinder und manchmal 25, hängt davon ab, wie viele ihre Sportuniform dabei haben. Normalerweise findet der Sportunterricht auf dem „Sportplatz“ statt (eine Wiese), wenn es regnet gehen wir in die „hall“, eine kleine Halle, wo normalerweise Feierlichkeiten stattfinden. Den Kindern machen Wettrennen, Staffellauf oder Fangspiele immer großen Spaß.



Meine ersten Deutschstunden liefen echt gut. Die Kinder und sogar der Lehrer waren ganz Ohr und dann macht es richtig Spaß, ihnen meine „wunderschöne“ Muttersprache näherzubringen. =) Ich habe leider nur 30 Minuten pro Woche in jeder Klasse, das heißt, ich kann ihnen wirklich nur die „basics“ beibringen. Bis jetzt können sie nett grüßen, sagen, wie sie heißen, wo sie wohnen, die Zahlen bis zehn und einige Körperteile.

 



Eine meiner Aufgaben in der Schule war es auch, alle Kinder in Jamadianle (das ist der Name meiner Schule), die auf einen Sponsor für ihr Schulgeld warten und schon auf einer Liste stehen, in eine Art Kartei aufzunehmen und mehr Informationen (z.B. Anzahl der Geschwister, Anzahl der Frauen des Vaters… meistens war es nur eine, manchmal aber auch zwei) über sie zu sammeln, die dann ein potentieller Sponsor einsehen kann und sich hoffentlich dafür entscheidet, für Schul-, Transport- und Essensgeld aufzukommen. Die Anzahl der Geschwister rauszufinden, war manches Mal gar nicht so einfach. Ein Mädchen aus der sechsten Klasse, sie ist neun Jahre alt, erzählte mir auf Nachfrage (auf den Zettel zum Ausfüllen hat sie bei „number of brothers“ und „number of sisters“ die Telefonnummern geschrieben), dass sie sieben Brüder und 24 Schwestern hat. Da ich ihr das nicht abgenommen habe, hab ich dann den Lehrer gefragt, der sagte, dass sie nur zwei Brüder hat. Aber Brüder und Schwestern sind hier eben auch Cousinen, Nichten, Cousins, Neffen, Freunde, Tanten, Onkel und was es sonst noch so gibt. Ich möchte hier nicht zum Spenden aufrufen, aber wer sich dafür interessiert, der kann ja mal auf die Website von United Action for Children gucken (http://unitedactionforchildren.org/default.htm) oder mir für nähere Informationen gerne eine E-Mail schreiben.

 


Außerdem gebe ich Nachhilfe in Lesen und Schreiben, was viele bitter nötig haben. Es gibt Schüler in der fünften Klasse, die nicht mal einfachsten Wörter buchstabieren können oder gar nicht lesen können. Aber motiviert sind sie alle und total heiß auf Bücher. In Jamadianle gibt es einen „treasure room“ („Schatzraum“), sowas wie eine kleine Bücherei. Leider dürfen die Kinder nicht selbstständig dorthin und Bücher ausleihen, also habe ich in der vierten Klasse mein „book project“ gestartet und nehme jeden Tag vier oder fünf Kinder mit, die sich ein Buch ausleihen dürfen.



Das Essen
Eines meiner liebsten Themen hier in Kamerun ist das Essen. Es gibt so viele gute Dinge! Was mir aber aufgefallen ist, ist, dass mir das meiste beim ersten Probieren nicht geschmeckt hat und erst beim zweiten oder dritten Mal wusste ich es richtig zu schätzen. Es ist schon teilweise „seltsam“ für den deutschen Geschmack. Es gibt zum Beispiel ganz viele „Pampen“, die man mit den Fingern isst. Da wäre wata fufu, corn fufu, garri oder achu. Dazu gibt es entweder eru („Grünzeug“ mit viel rotem Palmöl), ndjama-ndjama (auch „Grünzeug“) oder gelbe Soße. Meine Portion fufu und eru musste ich runterwürgen, aber inzwischen fliege ich darauf und esse es mindestens einmal die Woche.  Jede Region hat ihr eigenes Gericht. In Buea ist es wata fufu und eru, in der Nähe von Bamenda entweder achu oder corn fufu und ndjama-ndjama. In Kamerun (in Limbe und Buea) habe ich auch den besten Fisch meines Lebens gegessen. Man isst ihn mit den Händen und zusammen mit bobolo (ein bisschen wie watafufu, aber fester und in Blätter eingewickelt) oder plaintains (Kochbananen, frittiert oder geröstet) und pepper soup (eine scharfe grüne gute Soße). Es hat ein bisschen gedauert, bis ich die richtige (oder zumindest eine bessere) Technik zum Fischessen gefunden haben. Außerdem gibt es viel Reis, Yams, Kartoffeln und plantains (gekocht, frittiert, geröstet) mit vielen verschiedenen Soßen und Puff-Puff (frittierte Teigbällchen) mit Bohnen. Das ist super lecker!


Mein Frühstück besteht aus Rührei und Brot, manchmal sogar Pfannkuchen. Soweit ich das bis jetzt erlebt habe, ist das typische Frühstück hier aber entweder Brot und „tea“ (heißes Wasser mit Milchpulver, viel Zucker und Schokoladenpulver) oder die Reste vom gestrigen Abendessen. Frische Milch ist so ungefähr das einzige, was mir hier fehlt.


Und es gibt so viele leckere Früchte hier. Gerade fängt die Mango-Saison an. Aber Ananas, Orangen, Bananen (die sind hier grün), Papayas, Grapefruits (weiße und rote, die sind hier gar nicht bitter, sondern super süß), Wassermelonen und kleine rote Früchte, die sie Äpfel nennen, gibt es das ganze Jahr. Die Avocados sind hier auch super gut. Leider essen die meisten Kameruner gar nicht viele Früchte.



Insgesamt ist das Essen hier im Vergleich zu Deutschland sehr billig, außer importierte Produkte, wie Schokolade, frische Milch oder Fruchtsäfte ohne Zucker.


Melanie Klaus

 

 

 

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