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Favourites Film Festival 2014

Von Rebecka Sommer

Im Rahmen des vierten Favourites Film Festivals, welches vom 3. - 7. September 2014 in der Kulturfabrik Moabit stattfand, führte iNTEGRiTUDE e.V. ein Interview mit der Festivalleiterin Anna Jurzik (A) und dem Festivalkoordinatoren Feliks Wagner (F).

 

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I: Aus welchem Grund habt ihr das Favourites Film Festival ins Leben gerufen?

 

A: In erster Linie haben wir das Festival gegründet um Filmen eine Plattform zu bieten die sonst nicht im Kino zu sehen sind oder die aufgrund der großen Konkurrenz nicht die nötige Aufmerksamkeit erfahren. Wir haben uns dabei auf die Publikumspreisgewinner konzentriert da diese sehr oft im Gegensatz zu den Jurypreisgewinnern von der Presse weniger Beachtung finden. Doch haben die Publikumspreisgewinner bewiesen dass sie emotional sind und die Menschen bewegen können. Außerdem wollten wir von Anfang an ein Festival machen dass für alle offen ist und bei dem man sich nicht kompliziert akkreditieren muss oder es sonstige Zulassungsbeschränkungen gibt. Stattdessen wollten wir einen Ort schaffen der Gespräche und einen offenen Austausch ermöglicht.

 

I: Welche Organisation organisiert das Favourites Film Festival und wie kommt ihr zu der Nutzung der Räumlichkeiten des Filmrauschpalastes in der Kulturfabrik Moabit?

 

F: Das macht der Favourite Films e.V., ein gemeinnütziger Verein, den wir 2010 gegründet haben.

 

A: Wir sind auf den Filmrauschpalast gestoßen da wir nach einem Ort gesucht haben bei dem es sowohl die Möglichkeit gibt Filme im Freien zu schauen als auch im Kinosaal. Zudem wollten wir einen Ort finden an dem sich die Menschen wohl fühlen und der ihnen das Gefühl von Willkommensein vermittelt. Deswegen haben wir uns auch für einen Ort entschieden der nicht ganz so „clean“ ist.

 

F: Es gibt noch eine zweite Ausgabe unseres Festivals in Bremen, welche in einem richtigen durchorganisierten Kino stattfindet. Das schöne am Filmrauschpalast ist, dass es ein selbstorganisiertes Kino ist, das heißt dass hier jeder die Möglichkeit hat mitzuwirken. Im Bremer Kino wirkt das Festival dadurch anders, aber trotzdem bringen wir dort die gleichen Filme ins Publikum. Und dann werden wir mal sehen wie das bei unserer neuen Festivalausgabe 2015 in Bergen, Norwegen, wird.

 

I: Wie kamt ihr auf Norwegen?

 

A: Das ist relativ zufällig entstanden. Und zwar ist ein Freund von uns, der hier im Filmrauschpalast gearbeitet hat, nach Norwegen gezogen. Dort ist er Mitglied in einem Filmclub geworden, hat aber gemerkt dass die Kinolandschaft in Norwegen viel mehr von Mainstream-Filmen regiert wird. Arthouse-Filme und kleine politische Filme dagegen werden nur gezeigt wenn sie auf ehrenamtlicher Basis von Filmclubs organisiert werden. Unser Freund, Sebastian heißt er, arbeitet jetzt in so einem Filmclub und hat uns gefragt ob wir nicht Lust hätten nach Norwegen zu kommen um dort die Kinolandschaft zu beleben. Daraufhin mussten wir nur noch einen Antrag bei der EU stellen und jetzt gehen wir 2015 nach Norwegen.

 

Festivalleiterin Anna Jurzik und Festivalkoordinator Feliks Wagner

Festivalleiterin Anna Jurzik und Festivalkoordinator Feliks Wagner

 

I: Kommen wir nochmal auf die Auswahl der Filme zurück. Wie seid ihr dabei vorgegangen?

 

A: Wir haben die Publikumsgewinnerfilme ausgesucht um dem Anspruch genüge zu tun dass wir offen für alle sind. Da die Zuschauer weltweit die Filme zu ihren Publikumslieblingen gewählt haben, ist im Prinzip das Publikum auf der ganzen Welt an der Programmauswahl beteiligt. Wir treffen dann aus dieser Filmauswahl, dass sind an die 300 Filme, noch eine Auswahl von etwa 20 Filmen. Dabei wählen wir Filme aus die wir gesellschaftlich relevant finden.

 

F: Also Filme über politische Themen wie Migration und Integration, welche in kleineren persönlicheren Geschichten erzählt werden.

 

A: Auf jeden Fall bewegende und emotionale Geschichten, die aber trotzdem mehr sind als nur Einzelschicksale und ebenso eine große Anzahl von Menschen betreffen.

 

I: Eure Auswahl ist wirklich toll und abwechslungsreich. Ich habe bis jetzt zwei Filme sehen können, zum einen Frihet Bakom Galler / No Burqas Behind Bars und dann La Jaula de Oro / The Golden Dream.

 

A: Die sind beide thematisch sehr schwer. Aber das ist das erstaunliche. Bei Publikumspreisen würde man ja vielleicht im ersten Moment denken dass das eher leichte Gute-Laune Filme sind, bei denen man lachen kann oder in der es eine berührende Liebesgeschichte gibt. Aber es sind eben oft doch diese harten, relevanten Themen, die die Leute so bewegen.

 

I: Was steht für euch in der Zukunft bevor?

 

F: Das Festival in Bergen. Und hoffentlich, dass wir weiter wachsen. Nächstes Jahr werden wir zum ersten Mal in drei Städten unser Festival ausrichten.

 

A: Genau. Wir sind im Frühjahr, also Ende Mai, wieder in Bremen. Dann kommt Ende August oder Anfang September wieder das Festival hier in Berlin und im November oder Oktober, dass wissen wir noch nicht so genau, geht es nach Bergen. Damit ist das Jahr schon relativ voll. Und dann werden wir sehen was die Zukunft bringt.

 

F: Wir hoffen, dass wir mit der Idee ein immer größer werdendes Publikum finden.

 

I: Man müsste von euch viel mehr hören. Das Kino hier ist so schön und die Filme absolut sehenswert, aber ihr müsstet mehr Werbung machen.

 

A: Unser Budget ist leider sehr klein. Die Sparkasse gibt uns 4000 Euro, dazu gibt es noch ein paar vereinzelte Sponsoren wie Botschaften, die zu einem Film mal ein bisschen was dazu geben, aber ansonsten ist das alles. Damit kann man sich gerade die Filmgebühren leisten, denn für die müssen wir die Screening-Gebühren zahlen, die Miete hier für das Kino und die Druckkosten für Programmhefte. Die Werbung und alles was vor Ort gemacht werden muss machen unsere vielen freiwilligen Helfer, die uns unterstützen weil es ihnen Spaß macht und ihnen die Stimmung hier gefällt. Ansonsten versuchen wir möglichst alles so zu organisieren dass es kein Geld kostet, was wiederum so viel Mühe kostet dass man für andere Dinge keine Zeit hat.

 

F: Ich glaube aber auch dass 4000 Euro nach mehr Geld klingt als es wirklich ist. Wenn man sich im Vergleich dazu andere kleine Festivals in Berlin anschaut, stehen diesen teilweise 200.000 Euro zur Verfügung, und sie sind trotzdem nicht so bekannt.

 

A: Es geht wirklich nur weil ganz viele unserer Freunde mithelfen, die Flyer verteilen gehen und ähnliches. Jedoch sind diese, je älter das Festival wird, immer mehr in festen Berufen und können nicht mehr genauso zeitintensiv helfen wie noch vor einigen Jahren. Aber ohne die funktioniert es einfach nicht.

 

F: Deswegen verjüngen wir unser Team.

 

A: Und es kommen immer neue dazu.

 

F: Das ist wiederum auch der Grundgedanke unseres Festivals. Es soll offen sein für das Publikum, wie auch das Team offen für jeden ist der sich gerne mit einbringen möchte.

 

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