Heute ist der 22.04.2018

Geldtransfer: Die nicht immer gewürdigte Kraft der Diaspora

Von Narcisse Djakam

Die Anzahl der Menschen, die den afrikanischen Kontinent verlassen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen oder einfach wegen der Bildung und aus Neugier, wächst kontinuierlich. Es ist klar, dass dieses Phänomen ein großer Verlust für diesen Kontinent ist und man mittelfristig nachhaltige Konzepte entwerfen muss, um das Problem im Griff zu haben. Es bleibt jedoch die Frage: Muss die soziologische Migration von Menschen immer als Nachteil gesehen werden?

 

Gehen ist ein bisschen sterben

Weggehen, seine Heimat zu verlassen, bedeutet (fast) immer sich von Freunden, Familie und bekannten Systemen und Kulturen zu trennen. Man hofft etwas Besseres in fernen Ländern zu finden. Man geht, um sich zu bilden. Man verlässt alles in der Hoffnung weiser und reicher zurückzukehren. Manchmal geht man, weil man keine Wahl hat… Hunger, Krieg, Arbeitslosigkeit sind einige der Gründe, die Leute zwingen, ungewollt ihre Heimat zu verlassen. Diese Menschen gehen ohne klare Ziele und sind oft gezwungen, sich als Flüchtlinge auf die Suche nach einer neuen Heimat zu begeben. Man geht fest entschlossen etwas für die in der Heimat Zurückgebliebenen zu tun. Und dieser Wunsch hilft, alle Barrieren zu brechen und die Unterschiede der Natur und der Umgebung hinzunehmen.

 

Was geschieht mit der Familie, die man hinter sich lässt? Gehen ist ein bisschen sterben… Sterben auch die Erinnerungen?

 

Remittances, wie die Migration der Wirtschaft hilft

Migranten kennen die Situation der Länder und Personen, die sie in seiner Heimat zurückgelassen haben, besser als jeder andere. Oft fühlen sie sich verantwortlich, diese Leute zu unterstützen. Diese Vorgehensweise hat viele positive Effekte, sowohl für die Ursprungsländer, die Familien als auch für die Gastländer.

 

Viele Migranten schicken regelmäßig Geld zu ihrer Familie. Der Geldtransfer von Migranten hat in den letzten Jahren stark zugenommen und stellt inzwischen den größten Kapitalzufluss für Entwicklungsländer dar – größer als alle Entwicklungshilfezahlungen zusammen. Diese Transfers belaufen sich auf jährlich über 300 Milliarden Dollar. Sie übertreffen damit die weltweite offizielle Entwicklungszusammenarbeit um mehr als das Doppelte. Das Geld erreicht direkt die Familien und ist eine wichtige Unterstützung für die Gesundheit und die Bildung. Diese Geldüberweisungen sind auch wichtige Devisen für diese Länder. Ferner profitiert auch die Weltwirtschaft, da die Kaufkraft der Menschen in diesen Ländern somit stark ansteigt.

 

Eine Besonderheit dieses Transfers ist die gezielte und effiziente Hilfe auf lokaler Ebene. Jeder, der sich entscheidet Geld zu seiner Familie zu schicken, spendet häufig auch ein bisschen von seiner Zeit für die Überlegung, wie diese Hilfe optimal genutzt werden kann. Somit profitieren die Verwandten nicht nur von der finanziellen Unterstützung sondern auch von einer professionellen Beratung. Und nicht nur der Geldtransfer ist von großer Bedeutung. Das Gleiche gilt für den Wissenstransfer. Migranten sammeln rund um die Welt Wissen, Erfahrungen und Ideen. Außerdem knüpfen sie neue Kontakte und Netze, die schnell neue Handelswege eröffnen.

 

Remittances, die Gefahr der Professionalisierung

Viele große Finanzinstitutionen haben erkannt, wie lukrativ dieser Markt des Geldtransfers sein kann und interessieren sich ernsthaft dafür, wie sie einen Teil dieses großen Kuchens bekommen können. Die Anzahl der Institutionen, die Dienstleistungen auf diesem Bereich anbieten, wächst von Tag zu Tag. Die Rede ist von der Sicherstellung günstiger Transferwege, höherer Transparenz der Überweisungsmöglichkeiten, aber auch der Identifizierung innovativer Überweisungswege. Moneygramm, Western Union, Ria, Afropa, Voice Cash… sind nur einige von viele Unternehmen, die die Angebote Tag für Tag vergrößern und verfeinern.

 

Das Lenken von Überweisungsströmen in formelle Kanäle kann die Sicherheit garantieren und parallel mögliche dubiose Unternehmungen verhindern. Es ist jedoch zu befürchten, dass es auch Türen öffnet für Spekulationen und die Gelassenheit sowie die Spontaneität dieses Prozesses vermindert. Es ist jetzt schon zu merken, dass ausführliche Daten gespeichert sind, die offiziell der Sicherheit dienen, aber tatsächlich auch für Statistiken und Nutzerprofile verwendet werden.

 

Die Remittances haben so viel Erfolg, da sie spontan und fern von allen Formen von Bürokratie ablaufen. Ihr Erfolg überrascht sogar die Experten der internationalen Institutionen. Dieser ist der Diaspora und somit allen Migranten zu verdanken. Der Migrant fühlt sich verpflichtet die Familie zu unterstützen und erwartet dafür keine Anerkennung. Dieser Faktor sollte berücksichtigt werden, vielmehr als kühle Berechnungen können auch die einfachen Grundwerte helfen, die Welt zu verbessern.

 

Narcisse Djakam

www.djakam.de

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