Heute ist der 22.04.2018

Kamerun: Ganz Afrika in einem Land

Von Narcisse Djakam

Viele afrikanische Länder bergen unvorstellbare geographische und kulturelle Potentiale. Von seltenen Tierarten in traumhaften Landschaften über fantasievolle Kulturen bis hin zu exotischen Pflanzen - jeder kann dabei etwas für sich finden. Lange Zeit von den Regierungen vernachlässigt, nimmt Tourismus immer mehr Raum in den Entwicklungskonzepten der Entscheidungsträger des Kontinents ein. Kamerun präsentiere durch sein Konzept „Ökotourismus als Instrument zur gesellschaftlichen Entfaltung“ verstärkt die Besonderheit des Landes und wolle parallel die Natur und die Tiere schonen und schützen, so der Tourismus-Direktor des Landes, Herr Samuel Mbe. Eine 14-tägige Reise in das zentralafrikanische Land bot die Möglichkeit, sich vor Ort eine eigene Meinung zu bilden.

 

 

Kamerun gilt aufgrund seiner landschaftlichen Diversität als „Afrique en miniature“, und mit über 240 Ethnien ist auch das Kulturleben des Landes vielfältig. Die knapp siebenstündige Reise von Berlin nach Jaunde–Nsimalen bot die Gelegenheit, sich Gedanken zu machen, wie die Realität vor Ort aussehen könnte. Der Besucher merkt den Unterschied zu Deutschland bereits am Flughafen. Die gefühlte Temperatur liegt durchschnittlich über 24 Grad. Nach einem Spaziergang in der Nähe von „Place du cinquantenaire“ fahren wir in Richtung Hotel Mont febe. Das Abendessen an diesem Tag gibt uns schon einen Vorgeschmack, wie exotisch und köstlich wir die nächsten Tage speisen werden: frittierte Kochbananen, gebratener Fisch, Rindfleisch in scharfer Tomatensauce und vieles mehr...

 

Schon am nächsten Tag besuchen wir eine Zone, die zum Schutz bedrohter Tierarten eingerichtet wurde: den Park von Mefou, ca 42 Kilometer von Jaunde entfernt. Dieser Nationalpark mit einer Fläche von ungefähr 1044 km² ist die Heimat von Affenwaisen, deren Eltern Opfer von Wilderei wurden. Er soll ebenfalls dafür sorgen, dass Gorillas, Schimpansen und Paviane wieder eingeführt und geschützt werden. Dieser Park zeigt den Willen der kamerunischen Regierung, konsequent die Tiere zu schützen und den offenbar schwierigen Kampf gegen die Wilderer. Es gibt jedoch viel Hoffnung. Unser Guide Georges strahlt Optimismus aus und steckt uns damit an. Schon bald sind wir erneut unterwegs, um eine andere Sehenswürdigkeit in der Nähe der Hauptstadt kennenzulernen.

 

 

Pirogenfahrt in Ebogo

Ebogo ist ein kleines Dorf, etwa 30 km von Mbalmayo und 60 km von Jaunde entfernt. Wir sind dorthin gereist, um auf dem Fluss Nyong mit Pirogen durch den Urwald zu fahren. Die asphaltierten Straßen ermöglichen einen problemlosen Zugang zu dieser Region. Der freundliche Empfang der Dorfbewohner sowie die unzähligen Witze von Onana, unserem kamerunischen Guide, lassen das Gebiet von vornherein sympathisch erscheinen. Die Piroge, ein Einbaum, bei dem die Seitenwände durch aufgesetzte Planken erhöht wurden, erweckt beim ersten Anblick keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Onana aber erzählt uns, dass uns nichts passieren kann. Er sagt, dass noch niemand in diesem Fluss gestorben ist, da die Wassergötter in Harmonie mit den Menschen und Dorfbewohnern leben. Solange wir die Natur respektieren, wird sie dasselbe auch für uns tun. Mit diesem Gedanken steige ich in die Piroge. Die Flussfahrt verläuft ganz entspannt. Die Ruhe, die dieser Fluss ausstrahlt, die Geräusche, die aus dem Dschungel zu hören sind, das Bild der Einheimischen beim Paddeln … Alles ergibt ein Bild der Entspannung und des Friedens. Schon sind wir auf einer kleinen Insel angekommen, wo uns Onana eine Überraschung zeigen will: einen rund 900 Jahre alten Baum, knapp 80 Meter hoch. Beeindruckend! Die Zeit vergeht schnell, und schon sind wir auf dem Weg zurück nach Jaunde. Unsere verdiente Nacht verbringen wir im Hotel Medina.

 

 

 

Kaskade von Dji und Nachtigal-Wasserfälle

Agnes Kah, die Reiseleiterin, hat für den nächsten Tag den Besuch der Dji-Kaskade und der Nachtigal-Wasserfälle geplant. Das Besondere an der Kaskade von Dji ist, dass das Wasser in mehreren Stufen nach unten fällt; das ergibt einen sehr schönen Anblick. 1884 kam der Deutsche Gustav Nachtigal nach Kamerun. Nach ihm wurden die 68 km von Yaoundé entfernten Wasserfälle am Sanaga-Fluss benannt. Dort machten wir unsere zweite Pirogenfahrt. Die Benennung dieser Wasserfälle – Nachtigal – zeigt die geschichtliche Verbindung Kameruns mit Deutschland. Mehrere Orte sind in Kamerun von der deutschen Kolonialzeit geprägt.

 

 

Ngaoundére - Park von Boubadjida

Die nächste Etappe unserer Reise führt uns in den Norden, in die Region Adamaoua. Die Fahrt mit dem Zug nach Ngaoundere verläuft ruhig. Trotz der Tatsache, dass wir keine Bildaufnahmen im Zug machen dürfen, überträgt sich die gelassene Atmosphäre auf uns. Die muslimisch geprägte Stadt macht einen ruhigen Eindruck. Die Menschen wirken hier entspannter und gastfreundlicher als in den südlichen Regionen Kameruns. Nach dem Essen im Restaurant XX fahren wir direkt zu dem Park Boubadjida.

Der Park von Boubadjida mit fast 220 000 Quadratkilometern liegt an dem Fluss Mayo Lidi. Im Jahre 1968 wurde er zum Nationalpark erklärt. In dem Park sind verschiedene Arten von Tieren zu sehen. Wir haben die Möglichkeit, Elefanten, verschiedene Antilopenarten, Flusspferde und Wasserböcke zu beobachten. Tsafack, unser Guide, sagt uns, dass hier auch Löwen und Nashörner zu sehen seien. Unsere Unterkunft ist diesmal das Camp Boubadjida, schön eingerichtet und direkt am Fluss. Nach dem Besuch im Park denken wir, alles in dieser Region gesehen zu haben. Unser nächster Aufenthalt sollte diese Vorstellung in Frage stellen.

 

 

Foumban: Wo der Sultan regiert

Die Geschichte Foumbans wird ewig mit dem Sultan Njoya verbunden bleiben, einem Visionär und Unternehmer, der bis heute Respekt in den Menschen erweckt. Er erfand ein Alphabet und baute einen Palast. Dieses Bauwerk ist heute Weltkulturerbe, in dem ein Museum eingerichtet wurde.  Das Bamunsultanat mit seinem Museum und seiner Kunstschule ist eine der beliebtesten touristischen Attraktionen in Kamerun.

Zum Glück besuchen wir diesen Ort bereits am Freitag, so können wir beobachten, wie der Sultan den wöchentlichen Kontakt zu seinem Volk hält. Unterschiedliche Gruppen erscheinen nacheinander, um ihn zu grüßen, Reiter präsentieren eine Show, und Gewehrschüsse werden abgefeuert. Es ist erstaunlich und beeindruckend, wie sich diese Tradition über die Jahre etabliert und gefestigt hat.

 

 

Die Legende um Singrafs Brille

Im Westen sind die Chefferien, also Königtümer, besonders prächtig und die Rolle der Könige noch ziemlich groß. Der Palast von Bafut zum Beispiel ist schon etwa 600 Jahre alt und überaus prächtig. Seit 2003 beherbergt er ein Museum, welches Einheimische zusammen mit Deutschen erstellt haben. Die Chefferie Bafut hat mit der deutschen Kolonialzeit eine besondere Vergangenheit in Kamerun. Der erste Deutsche, der in dem Dorf Bafut ankam, war Singraf. Ein Einheimischer erzählt uns, dass Singraf eine Brille trug. Wenn er sich erholen wollte, legte er seine Brille auf einen Tisch. Somit konnte er die Arbeit in der Plantage nicht mehr kontrollieren. Er erzählte den Arbeitern jedoch, dass er Sie aus der Ferne beobachten konnte. Tatsächlich klappte dieser Trick  immer wieder, und heute lachen die Dorfbewohner über diese Geschichte.

Dies ist nur eine der vielen Legenden, die in Kamerun auch heute noch präsent sind und für die Einheimischen immer noch große Bedeutung haben. Eine weitere ist von Epassamoto.

 

Epassamoto, der Stein-Mensch

Epassamoto war halb Mensch, halb Stein und wohnte auf dem Mont Kamerun. Seine Frau, Obasidjon, entschied sich eines Tages, ihn zu verlassen und ging ins Wasser. Betrübt von starkem Schmerz trauerte der arme Mann über viele Jahre – bis heute. Die Bevölkerung von Bamenda und die Umgebung spürt dies, wenn er Flammen und Lava spuckt, wenn sein Schmerz unerträglich ist und nicht mehr unterdrückt werden kann. Der Mont Kamerun brach im Jahr 2000 das letzte Mal aus und ist mit 4070 m der höchste Berg Kameruns. Dort kann man Waldelefanten, Antilopen, Nashörner, Chamäleons und viele Vogelarten beobachten. Seit November 2011 wurde dort ein Nationalpark eingerichtet. Die kamerunischen Volksvertreter wollen damit die einzigartigen Vegetationsarten, die dort beheimatet sind, schützen.

 

 

Fazit

Innerhalb der elf Staaten umfassenden Zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft „Communauté des Etats de l’Afrique Centrale (CEEAC)“ ist Kamerun das wirtschaftlich stärkste Land. Die Vision kamerunischer Volksvertreter beschränkt sich nicht nur auf eine nachhaltige Entwicklung des Tourismussektors. Vielmehr will der zentralafrikanische Staat mittelfristig in die Weltliga der neu industrialisierten Länder aufsteigen.

Kamerun bleibt ein besonderer, touristischer Ort, nicht zuletzt durch seine dynamischen Kulturen sowie seiner unzähligen natürlichen Potentiale. Die sehr freundliche Bevölkerung und die Organisatoren, die sich viele Mühe geben, damit wir uns wohl fühlen, geben dieser Tour eine besondere Ausstrahlung. Kamerun birgt ein unermessliches Potenzial, und die Zeit ist bestimmt reif, dies der Welt auch zu zeigen. In einer Weltkonstellation, die Afrika nur mit Hunger und Kriegen in Verbindung bringt, kann dieses Engagement nur begrüßt werden.

 

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