Heute ist der 21.11.2017

Mexikostadt aus der Perspektive einer Deutschen

Ein Studienaufenhalt in einer Stadt wie Mexikostadt kann schon schnell eine Herausforderung werden. Ich hatte mich schon innerlich vorbereitet, die Realität hat jedoch in alle Hinsichten die Fiktion übertroffen.

Mexikostadt aus der Perspektive einer Deutschen

Warum eigentlich nicht Mexiko?

 

Der Entschluss zum Studieren nach Mexiko zu gehen entstand durch eine 3 wöchige Reise knapp ein Jahr zuvor. Ich besuchte einen Freund, den ich während eines Jobs in Orlando bei Disneyworld kennengelernt hatte. Man könnte also sagen, ein Auslandsaufenthalt führte bei mir zum nächsten.

Damals konnte ich kein einziges Wort Spanisch und hatte aufgrund des eher spontanen Entschlusses nach Mexiko zu reisen, so gut wie keine Vorstellung, was mich in dort erwarten würde. Eine echte Abenteuerreise mit vielen Überraschungen, die schließlich meine Neugier weckte und zu der Idee führte, mein Auslandssemester während des Bachelors in Mexiko zu verbringen. Warum nicht zum Studieren nach Mexiko gehen?! Gesagt, getan: nach meiner Rückkehr schrieb ich mich für Spanisch Kurse ein und informierte mich über Partneruniversitäten in Mexiko für Politikwissenschaftler. Der Anfang war also gemacht…

 

Einige Monate später kamen Auswahlgespräche und obwohl meine noch geringen Spanischkenntnisse kritisch gesehen wurden, bekam ich einen der zwei Plätze am Centro de Investigación y Docencia Economica (CIDE) in Mexiko Stadt.

 

Längere Aufenthalte in einem fremden Land bringen oftmals ganz besondere Erfahrungen und Erlebnisse mit sich. In den nachfolgenden Kapiteln möchte ich ein wenig von meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken von Mexiko und besonders dem Leben in Mexikostadt erzählen und vielleicht dem einen oder anderen Lust auf dieses wunderschöne Land machen...

 

Die ersten Tage in der Megacity: Erste Eindrücke und der Weg zur Universität

 

Bei meinem ersten Aufenthalt hatte ich das Glück, dass an der mexikanischen Austauschuniversität ein relativ neues Programm mit dem bezeichnenden Titel „Adoptiere einen Ausländer“ existierte. Dazu muss ich hinzufügen, dass das Studienprogramm der CIDE für jeden Studenten ein Austauschsemester im Ausland fest vorschreibt; sprich viele der Studis haben selbst erfahren, welche Herausforderungen in den ersten Tagen im fremden Land auf einen zukommen und bieten den Neuankömmlingen durch das Programm ihre Hilfe an. So holen sie die neuen Austauschstudenten (intercambios) vom Flughafen ab oder bieten eine Übernachtungsmöglichkeit für die ersten Nächte. Daraus entstehen oftmals Freundschaften und man findet schnell Kontakt zu den mexikanischen Studenten. In meinem Fall wurde ich von Jorge adoptiert der nur zwei Jahre zuvor an meiner Universität in Regensburg sein Auslandssemester verbracht hatte, eine deutsche Freundin in Mexiko hatte und fließend Deutsch sprach. Der Kontakt wurde durch das International Office der Uni vermittelt, das auch während meiner Zeit in Mexiko immer wieder ein guter Ansprechpartner bei Fragen und Problemen war.

 

Nachdem wir vorab ein paar E-Mails geschrieben hatten, holte mich Jorge am großen internationalen Flughafen ab und wie es der Zufall wollte, hatte er in seiner WG ein Zimmer frei, was ich zunächst beziehen konnte. Manchmal bedarf es einfach ein wenig Glück…

 

Die ersten Tage habe ich mit ein wenig Sightseeing verbracht. Mexikostadt ist eine gigantische Stadt, die einen zu Beginn zu erschlagen droht mit ihren riesigen Menschenmassen und den gigantischen Straßen. Jeder, der eine Weile in der Stadt verweilt, kämpft mit der Orientierung und den Verkehrsmitteln. Das U-Bahnnetz zusammen mit weiß-grünen Kleinbussen deckt einen großen Teil des Stadtkerns ab und führt bis an die Stadtränder, die sich sehr ziehen können. Trotzdem gibt es zahlreiche Busbahnhöfe, die mit größeren Bussen Stadtteile und weite Regionen ohne U-Bahn anfahren. Einer dieser Bahnhöfe, von dem auch der Bus zum CIDE fuhr, war Tacubaya. CIDE liegt in Santa Fee, was ein sehr reicher und moderner- trotzdem sehr abgelegener Stadtteil ist.

Es ist auch eine Region, in der die krassen Gegensätze in Mexiko aufeinander treffen und durch eine quer verlaufende Mauer getrennt werden: während in der einen Hälfte von Santa Fee moderne Gebäude und Shoppingmalls in den Himmel wachsen, grenzt an die andere Seite der Mauer ein gigantischer Slum, in dem viele der Angestellten und Bediensteten der Reichen leben. Zu diesen Gegensätzen aber noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Mein erster Tag am CIDE stand an und wie gesagt, die Bussituation ist für die meisten Nicht-„Einheimischen“ ein Chaos. Es gibt weder feste Abfahrtszeiten noch feste Haltestellen. Die Richtung des Busses erkennt man an einem Schild, das der Busfahrer ins Fenster legt- man ist gut beraten, noch einmal beim Einsteigen zu fragen. Wenn man aussteigen möchte, zieht man entweder an einer Leine und ruft „baja“ (aussteigen) oder klingelt, woraufhin der Busfahrer einen aussteigen lässt. An den Busbahnhöfen herrscht immer reger Betrieb und von allen Seiten wird man gefragt, ob man nicht etwas zu Essen oder Kaugummi kaufen möchte- besonders dann, wenn man mit 1,80m einen guten Kopf größer ist als die meisten Mexikaner und blond. Nach einigem Herumirren fand ich schließlich den richtigen Bus und gelangte zum CIDE.

 

Obwohl die CIDE nur 12km vom Busbahnhof entfernt ist, braucht man bei normalem Verkehr eine knappe Stunde. Der Verkehr in Mexikostadt und besonders in Richtung Santa Fee ist mörderisch und wird täglich begleitet von einer dicken Smog-Wolke. Am ersten Tag wurden zunächst alle Intercambios von der Leiterin des International Office und dem Direktor begrüßt und bekamen im Anschluss einen kleinen Rundgang über den Campus, der wirklich überschaubar ist. Mit mir zusammen begann eine bunte Truppe das Semester: Franzosen, Kanadier, Peruaner und andere Nationalitäten waren vertreten. Auch viele mexikanische Studenten kamen zu der Feier und begrüßten uns dort.

 

Der warme Empfang und die Aufgeschlossenheit der anderen Studenten machten den Start an der Universität sehr viel leichter und somit fühlte ich mich gut gewappnet für die erste Uniwoche.

Jasmin

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