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Afrika braucht die Globalisierung

In einer Artikel für die Welt (Afrika braucht die Globalisierung - http://www.welt.de/print-welt/article680717/Afrika-braucht-die-Globalisierung.html ) beschreibt Herr Matthias Kleinert (Matthias Kleinert leitet das Büro Südliches Afrika der Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri) die Vorteile der Globalisierung für Afrika. Dieser Vorgang zeigt jedoch die Einseitige Betrachtung manche europäische Experte. Was denkt ihr? Was wäre Ihre Vorschläge? Hat er recht?

Sein Artikel:

Afrika braucht die Globalisierung

Freie Märkte und Rechtsstaatlichkeit nutzen den Armen mehr als immer neue Hilfsgelder

Rechtzeitig zum G-8-Gipfel haben die Industriestaaten mit dem Erlaß von 55 Milliarden Dollar Schulden die Reformbemühungen in den begünstigten Staaten belohnt. Sie sandten damit auch ein Signal der Hoffnung an die Ärmsten der Armen. Denn wenn auch der Anteil der extrem Armen (Einkommen weniger als ein Dollar pro Tag) in den Entwicklungsländern von 28 Prozent Mitte der achtziger Jahre auf etwa 20 Prozent zurückgegangen ist, so trifft dies nicht auf Afrika zu: Die Zahl der Menschen in extremer Armut ist im südlichen Afrika von 227 Millionen im Jahr 1990 auf 313 Millionen im Jahr 2001 gestiegen. Hingegen sind Fortschritte bei der Bekämpfung der extremen Massenarmut in Asien, Lateinamerika und der Karibik zu verzeichnen.

Welche Schlußfolgerung kann man aus diesen Fakten ziehen? Afrika sich selbst überlassen und als verlorenen Kontinent abschreiben? Das wäre nicht nur inhuman und zynisch, sondern widerspräche auch unseren eigenen Interessen. Wenn wir uns heute von Afrikas Problemen abwenden, dann werden es morgen unsere Probleme sein. Nur einige Aspekte: Es droht ein gewaltiger Migrationsstrom in Richtung Europa. Armut kreiert, wenn auch nicht als einziger Faktor, Gewalt und Fanatismus. Würde der Raum südlich der Sahara sich selbst überlassen, könnte ein riesiges Territorium der Gesetzlosigkeit entstehen, in dem alle denkbaren Interessengruppen unkontrolliert und unter Ausnutzung ethnischer Konflikte ihre wilden Geschäfte betreiben. Nur ein Tor kann glauben, daß davon der Rest der Welt verschont bliebe. Schließlich ist da noch die Massenvernichtungswaffe Aids. Auch diese Geißel kann nur mit Hilfe des Westens bekämpft werden.

Wie aber können die ewig währenden Probleme Afrikas bewältigt werden? Ist die Entwicklungshilfe nicht längst ein Faß ohne Boden? Sind es nicht die Regierungen der afrikanischen Länder selbst, die immer wieder zur Verlängerung des Elends beitragen? Für all das lassen sich Belege finden. Nur, noch einmal gefragt: Darf man Afrika und damit Hunderte Millionen Menschen wirklich abschreiben? Nein.

Es muß jetzt um die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie gehen, die sich nicht in Geldtransfers und spontanen Hilfsaktionen erschöpfen darf. Wie überall in der Welt gilt auch für Afrika die Formel: Wachstum ist die Grundlage von Wohlstand, und Wohlstand die Voraussetzung für Stabilität. Ein Schlüssel dazu ist die von so vielen gescholtene Globalisierung. Nicht zuletzt die "bösen Konzerne" tragen mit ihren Investitionen zum Entstehen qualifizierter Arbeitsplätze bei. Ziel ist der Aufbau einer Mittelschicht, die zum Stabilitätsanker der Gesellschaft wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Republik Südafrika. Auch hier haben nicht zuletzt große deutsche Unternehmen durch beständiges Engagement Maßstäbe gesetzt, die zu Standards wurden. Globalisierung bedeutet nicht den Abbau sozialer Standards, sondern den Aufbau von Wohlstand. Nur nebenbei sei hier angemerkt, daß drei im Ausland von deutschen Unternehmen geschaffene Arbeitsplätze einen vierten daheim in Deutschland sichern.

Wir können nicht einerseits bis zum Jahr 2015 den Hunger in der Welt halbieren wollen und gleichzeitig Unternehmen dafür kritisieren, daß sie Arbeitsplätze in den betroffenen Ländern aufbauen. Denn dabei werden Investitionen getätigt, die Jobs in den Entwicklungsländern schaffen, Jobs, die den Menschen Zukunft geben und dem jeweiligen Land die Chance für einen eigenen wirtschaftlichen Fortschritt. Eine solche Strategie war und ist noch immer das beste Rezept gegen Hunger und Armut in der Welt. Natürlich gibt es immer wieder auch Rückschläge. Jüngste Beispiele sind Simbabwe und der Sudan. Doch darf uns das nicht beirren.

Faire Globalisierung heißt aber auch, daß die westlichen Industrieländer ihre Märkte für Produkte aus Afrika öffnen. Afrika kann weit mehr als bislang in die internationalen Wertschöpfungsketten eingebaut werden. Wer im Westen die mangelnde Perspektive des afrikanischen Kontinents beklagt, bleibt unglaubwürdig, wenn er zugleich Zoll- und Handelsbarrieren aufrechterhält. Eine Vorreiterrolle bei deren Abbau haben jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika übernommen. Der von Präsident George W. Bush initiierte Africa Growth and Opportunities Act erlaubt die zollfreie Einfuhr ganzer Produktgruppen aus Afrika in die USA. Europa und damit auch Deutschland hingegen sind eine solch komplexe Antwort auf die Probleme Afrikas bisher schuldig geblieben.

Die Beschlüsse des bevorstehenden G-8-Gipfels in Gleneagles dürfen sich nicht allein in der Bereitstellung neuer Hilfsgelder und in weiteren Schuldenerlassen erschöpfen. Der Westen und die Staaten Afrikas müssen sich darüber einig werden, daß am Ende nur der freie Fluß von Kapital, Dienstleistungen und Gütern zu Wohlstand und Stabilität führt. Das aber ist nur dann möglich, wenn in den Entwicklungsländern rechtsstaatliche Demokratien geschaffen und deren Werte implementiert werden.

Übrigens: Längst haben auch andere die Potentiale Afrikas entdeckt. China ist zum zweitwichtigsten Investor in der rohstoffreichen Region geworden. Deutschland ist auf Platz neun abgerutscht.

Matthias Kleinert leitet das Büro Südliches Afrika der Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri).

http://www.welt.de/print-welt/article680717/Afrika-braucht-die-Globalisierung.html

Kommentare (1)
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Maxim, am 24.11.2012 um 17:15:14

Hallo liebe Freunde,

Afrika braucht nicht die Globalisierung, afrikanische Länder sollten ihre lokale Wirtschaft stärken und sich vor den (Massen-)Produkten aus Europa schützen.

Die Globalisierung bedeutet für schwach industrialisierte Länder die Abhängigkeit von ausländischen Produkten. Normal, dass europäische "Experten" sich das wünschen.

Maxim